Webcasting: Rechtliches

Wie sieht das jetzt eigentlich aus wenn man sein eigenes Webradio im Internet machen will? Wer will Geld haben und wie viel, und was passiert eigentlich wenn man nicht zahlt?

Webradio ist an sich gar kein Problem. Heutzutage hat man die technischen Möglichkeiten um bequem von Zuhause aus zu senden. Jedoch wird man früher oder später vor dem Problem stehen Songs für seine Hörer spielen zu wollen, an denen man die Rechte nicht besitzt.

In Deutschland gibt es dafür so genannte Verwertungsgesellschaften. In unserem Fall sind das die GEMA (Gesellschaft  für musikalische Auführungs-  und mechanische Vervielfältigungsrechte) und die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten). Diese verwalten die Rechte im Namen der Musikindustrie und wollen dafür Geld. Wer nicht zahlt muss mit Geldstrafen oder Gefängnis bis zu 3 Jahren rechnen. Bis heute ist noch kein Fall einer Gerichtsverhandlung bekannt, jedoch wurden 2006 ca. 50 Abmahnungen gegen lizenzlose Webradios gesendet.

Jetzt kommt der Hammer: Die GVL verlangt pro Jahr mindestens 500 Euro Pauschalgebühr. Diese Lizenz ermöglicht das Senden von 1.000.000 Titel pro Jahr. Als kleines Rechenbeispiel wären also bei 365 Tagen, wenn jeden Tag 12 Stunden gestreamt wird und pro Stunde 10 Titel gespielt werden 23 Hörer möglich. Dazu kommt eine Kopiergebühr von 0,125 Euro pro Titel, die in dem Radio gespielt werden. Bei 1000 Titeln wären das 125 Euro extra!

Die Gema verlangt dabei nur 30 Euro im Jahr. Dies bezieht sich auf nichtkommerzielle Internetradios.

Weitere Auflangen sind:

  • Es muss verhindert werden, dass das Programm mitgeschnitten werden kann.
  • Der GVL muss vierteljährlich die genaue Zahl der Hörer und er gespielten Titel mitgeteilt werden.
  • Es darf keine Programmvorschau gegeben werden.
  • Innerhalb von 3 Stunden dürfen nicht mehr als drei verschiedene Titel von einem bestimmten Album, davon nicht mehr als zwei Titel aufeinander folgend oder mehr als vier verschiedene Titel eines bestimmten Künstlers oder einer Compilation von Musiktiteln, davon nicht mehr  als  drei  aufeinanderfolgend.

Dies alles sind aber nur „Soll“-Richtlinien. Dazu ein Zitat:

„Tatsächlich sind nur wenige dieser Be-
dingungen  verpfichtend;  viele  sind  als  ‚Soll-Bestimmung‘  ausgestaltet. Das  heißt,
dass ihre Einhaltung ihrerseits von Voraussetzungen abhängig ist, die zumutbar oder
wirtschaftlich und  technisch machbar  sein müssen. Besonders kritisch wurde dabei
die Forderung nach Verwendung eines Kopierschutzes kommentiert. Aber auch diese
Forderung  ist  an wirtschaftliche Zumutbarkeit  und  technische Realisierbarkeit  ge-
bunden. Gerade im Hinblick auf kleine nichtkommerzielle Webcaster dürfte in den
meisten Fällen diese Zumutbarkeit nicht gegeben  sein. Die GVL wird dies deshalb
mit Augenmaß und unter Berücksichtigung der Interessen  solcher Webcaster groß-
zügig ausgestalten.“

Den Text habe ich jetzt hauptsächlich für Jan geschrieben, der mit seinem Radio gestern sehr erfolgreich war und zeitweise sogar 12 Hörer hatte. Ich denke man du kannst auf sowas wie GEMA-Gebühren verzichten, solange du alles im kleinen Rahmen hältst. Jetzt muss man sich natürlich nur noch einen vernünftigen Server gesorgen =)

Material:

Urheberrecht im Alltag (Auflage von 2008)

Kommentieren